Donnerstag, 18. März 2010

Letzte Etappe: Per Anhalter durch Australien

Endlich fertig:

Wir ueberlegten uns also, per Anhalter nach Sydney zu fahren. Damit die Leute ueberhaupt wussten, wo wir hin wollten, suchten wir uns einen riesigen Pappkarton, den wir zerlegten und auf beide Teams gleichmaessig aufteilten. Um das Rennen nach Sydney noch gerechter zu machen, bekamen auch beide Schilder auch die gleiche Aufschrift - gut ich will ehrlich sein: Fabian und mir gefiel Tristans Schild einfach so gut, dass wir es kurzerhand uebernahmen ;-)
An unserem letzten Tag feierten wir dann Abschied, indem wider besseren Wissens Goon getrunken wurde. Die Folge daraus: 3-Facher schwerer Kater am naechsten Morgen und wir mussten unsere Abreise noch einen Tag nach hinten verschieben. Und ein weiterer Beweis dafuer, dass Goon vermutlich direkt in der Hoelle gekeltert wird.
Da es im Park ja keine Duschen gab und wir beim Hitchhiken frisch sein wollten, mussten wir wohl oder uebel noch eine Nacht im Arthouse buchen.
Am Morgen darauf schafften wir es aber frisch und frueh genug aus den Betten zu kommen und so schnallten wir uns unser Gepaeck um und wir wanderten los zum Highway, der laut Karte nach Sydney fuehrte.

Dort an einer Tankstelle angekommen, setzten Fabian und ich uns erstmal hin und Team Tristan stellte sich an den Strassenrand und entfaltete sein Schild.
Nach etwa einer halben bis 3/4 Std, als Fabian und ich gerade mal nicht aufpassten, war er dann ploetzlich verschwunden. Schnell kam dann aber ein kurzer Anruf und wir wussten, dass Tristan auf dem Weg nach Sydney war.
Wir schnappten also unser Zeug und stellten uns nun auch mit unserem Schild an den Strassenrand, immer mit einem wachsamen Auge auf Polizeiautos, denn wir hatten Geruechte gehoert, dass Trampen in Victoria verboten sei.
Es dauerte aber auch nur etwa eine 3/4 Std dann hielt ein geraeumiger Pickup, der uns gleich mitnahm (to pick up heisst ja auch aufsammeln, was hatte er also fuer eine Wahl?).
Der Fahrer war ein freundlicher Australier in den 40ern, der uns erklaerte, dass das der falsche Highway sei, um nach Sydney zu kommen. Er fuhr aber seinen Firmenwagen, musste also keinen Sprit zahlen und so nahm er sich die Zeit und fuhr uns etwa eine gute halbe Stunde aus Melbourne raus und brachte uns auf den richtigen Highway! Damit hatte er den Freundlichkeits-Highscore bisher locker geknackt!
Auf dem Hume Highway hiess es dann wieder warten und Schild festhalten. Es dauerte diesmal etwa eine Stunde, bis der naechste Wagen hielt: ein grosses Auto, aehnlich gebaut wie ein Pickup, sodass auch hier massig Platz fuer unsere Backpacks und uns war. Simon, der Fahrer sagte, er koenne uns bis zu einer Stadt mitnehmen, die an der grenze zu NSW liegt, der Staat, in dem Sydney liegt. Das waren etwa 300 km und etwa gut ein Drittel unserer Route, klar dass wir uns darueber freuten. Nach etwa einer Stunde Fahrt erzaehlte er uns dann, dass er Manager von zwei Yachten in Sydney sei und fragte ob wir Interesse daran haetten, auf diesen Booten zu arbeiten. Diese Frage war eine von der ganz rhetorischen Sorte, wir hatten ihm immerhin gerade erst erzaehlt, dass wir mittellos seien und deshalb Trampen muessten. Wir verabredeten also, dass wir ihn anriefen, wenn wir in Sydney angekommen seien und den rest wuerden wir dann vor Ort klaeren.
Irgendwann setzte er uns dann ab, als er vom Hume Hwy runter fahren musste, wo genau das war weiss ich nicht, weil es nichts zur Orientierung gab: Staedte waren in dieser Gegend ein nicht betaetigtes Geruecht.
Also gut: wir versuchten es also von der Haltebucht mitten im Nirgendwo aus, aber es wollte so spaet kein Auto mehr anhalten. Irgendwann wurde es dann auch dunkel und wir konnten die Aktion abbrechen. Wenn ein Auto kam, sah es uns viel zu spaet und das Schild konnte man eh nicht mehr lesen. Ich war allerdings nicht so scharf darauf, auf dem Seitenstreifen einer Autobahn zu Zelten, also marschierten Fabian und ich los, um zumindest ein Schild zu finden, auf dem draufstand, wie weit der naechste Rastplatz etc entfernt war. Als wir dann die Strasse entlang liefen kamen uns 2 Erkenntnisse:
1. Unser Gepaeck war schwer und 2. der Sternenhimmel war unglaublich. In Mildura gab es ja schon viele Sterne, aber da hatte man auch immer irgendwo Licht, das einen etwas blendete. Der Highway war aber stockdunkel, wir brauchten sogar eine Taschenlampe, um die Strasse richtig sehen zu koennen. Und hier reihe ich mich mal in die Liste von Touristen ein, die Standartsaetze erzaehlen: so viele Sterne hab ich vorher noch nie gesehen!
Wir sahen aber noch etwas, was uns ueberraschte: relativ weit weg konnten wir ein rechteckiges Licht sehen, da musste also ein Haus stehen, wo sogar Menschen wohnten!
Wir machten uns also weiter auf den Weg, wis wir an eine kleine Strasse kamen, die den Highway kreuzte. Dort bogen wir ab und folgten wie Motten dem Schimmer der Fenster. Als wir an dem riesigen Grundstueck ankamen, mussten wir an die komischen Menschen denken, die wir auf dem Roadtrip getroffen hatten. Es war nicht gerade angenehm, darueber nachzudenken, warum Menschen freiwillig alleine in der Wildnis lebten und wie die wohl so drauf waren. Wir fassten uns aber ein Herz und gingen durch das Tor und auf das Haus zu. An der Seite war eine grosse Glastuer und als wir vorsichtig hindurch guckten, fiel mit einem Schlag die komplette Anspannung von uns ab: drinnen sass auf dem Sofa ein etwas dicklicher Mann mit freundlichem Gesicht und guckte mit seinem kleinen Sohn Star Wars.
Wir klopften an und ihr koennt euch sicher vorstellen, dass er nicht schlecht gestaunt hat, mitten in der Dunkelheit 2 Kerle vor seiner Tuer stehen zu sehen, wobei sein naechster Nachbar wahrscheinlich 30 km weit entfernt wohnt.
Er machte uns auf und wir fragten nach einem Schluck Wasser, was seine Frau anspornte, fuer uns unglaublich leckere Sandwiches zu machen, mit Huehnchen und Salat und lauter so geiles Zeug drauf und zum Nachtisch gab es auch noch Eis mit Kakao.
Unser Zelt konnten wir dann in deren Garten aufschlagen, deutlich besser als ein Seitenstreifen ;-)
Am naechsten Morgen bekamen wir dann auch noch ein Fruehstueck, sodass wir gar nicht recht wussten, wie wir uns bedanken sollten. Nach einigem Hin und Her machten wir uns dann wieder auf den Weg zum Highway, wo wir uns wieder an den Seitenstreifen stellten, um auf den naechsten Anhalter zu warten.
Es dauerte diesmal etwas laenger, aber dann hielt ein LKW-Fahrer, der uns anbot, uns bis nach Sydney mit zu nehmen.
Als wir in den Laster einstiegen empfing uns ein ziemliches Klischee: ein baertiger Mann, auch schon etwas aelter, der eine Zigerette rauchte und Country-Musik hoerte.
Er meinte, er wuerde auf dem Weg nach Sydney einen Zwischenstopp von ein paar Stunden einlegen muessen, wie wir erfuhren, um seine Familie zu sehen.
Wir fuhren bis dahin aber mit Vollgas Richtung Sydney, das heisst so viel wie: grundsaetzlich 20-30 kmh ueber dem Tempolimit. Nach einer Weile fuhren wir an einer Kamera vorbei, die das Tempo misst. Dazu eine kurze Erklaerung: Die Geschwindigkeitsmessung findet immer in 2 Stationen statt: die erste Kamera merkt sich das Auto und speichert die Zeit. Die zweite steht dann ein paar km weiter hinten und rechnet aus, ob man im Schnitt zu schnell gewesen ist.
Anstatt langsamer zu fahren, loeste unser Trucker das problem auf seine Weise: er heizte weiter bis kurz vor die zweite Kamera und hielt dann auf dem Seitenstreifen. Da goennte er sich ein paar Minuten, um seine Pfeife zu rauchen, waehrend wir mal kurz raus konnten, um uns die Fuesse etwas zu vertreten. Bald gings dann weiter, natuerlich wieder unbeeindruckt mit Vollspeed.
Nach einer Weile kamen wir dann an einer Tankstelle an, wo er seine angekuendigte Pause einlegte. Er empfahl uns, es in der Zeit bei Anderen zu versuchen (gerade, weil er nicht wirklich nach Sydney rein fahren musste, wir muessten also eh noch versuchen, jemand Anderes zu finden), nach einer kurzen Staerkung im McDonalds liefen wir also auf den grossen Platz und sprachen irgendwelche Leute an, ob sie nach Sydney fuhren. Dummerweise fand aber gerade eine Verschwoerung statt, denn von den vielen hundert Rastenden gab es keinen, der nach Sydney fuhr, alle wollten sie nach Melbourne, oder jedenfalls in die Richtung (wir suchten schon nach versteckten Kameras).
Wir gingen deshalb wieder runter auf den Highway und stellten uns an die Bahn, die nur nach Sydney fuehrte - die hatten wir aber ganz schoen ausgetrickst ;).
Im Gegenzug hielt aber auch keiner von denen, die nach Sydney fuhren, also liefen wir nach einer Stunde etwa wieder zurueck auf den Rastplatz, um mit dem Trucker weiter zu fahren. Auf dem Weg trafen wir einen Greyhoundbus, dessen Ziel Sydney war - hatten wir also doch noch Glueck gehabt? Wir sprachen den Fahrer an und erklaerten ihm unsere Situation. Er sagte uns darauf, wir sollten unseren Kram einladen, wir konnten es kaum glauben! Dann musste er sich mit seinem Kopiloten (Chef? sowas in der Art jedenfalls) besprechen. Waehrend er das tat, kam ploetzlich ein Kerl auf mich zu, der mich freundlich mit "hey, was machst du denn hier?" begruesste. Das war einer aus meiner Gruppe, mit der ich nach Sydney geflogen war, was fuer ein Zufall! Wir tauschten uns kurz aus, als dann auch der Fahrer wieder zu uns kam. Er fragte uns, ob wir Geld dabei haetten, was wir mit "kaum" beantworteten. Er machte uns also das unglaublich grosszuegige Angebot, uns fuer den halben Preis mitzunehmen, nur 50$. Haha, wo sollten wir denn 50$ hernehmen? Das war etwa das was wir ihm sagten, vielleicht etwas hoeflicher, jedenfalls mussten wir unser Gepaeck wieder ausladen und es woanders versuchen. Sein Chef (?) versuchte uns noch umzustimmen, indem er uns mitteilte, dass der naechste Bus erst morgen kommen wuerde, aber diese Erkenntnis liess uns leider auch keine 50$ im Geldbeutel wachsen. Ihm das zu erklaeren sparten wir uns, er haette es vermutlich eh nicht verstanden...
Also verabschiedeten wir uns schnell noch von Max und gingen zurueck zum Truck.
Als wir fast da waren, mussten wir allerdings sehen, wie er gerade anfuhr. Wir fingen an zu rennen, aber auch der Truck wurde schneller. Wir winkten und riefen, aber wir waren zu spaet - er sah uns nicht mehr und fuhr alleine weiter nach Sydney.
Was sollten wir machen, wir gingen wieder einmal zum Highway und freuten uns schon darauf, wieder mit dem grossen Schild von Lastern umgeweht zu werden.
Als wir gerade nicht damit rechneten, hielt ein Minibus (10 Sitze), um uns mit zu nehmen. Als wir einstiegen, sahen wir, dass uns diesmal die Army mitnahm, auch nicht schlecht ;-).
Der am Steuer war schon aelter, vielleicht ein Offizier oder sowas, und sein Beifahrer ein junger Rekrut. Wir schmissen unsere Backpacks also zwischen deren Gepaeck und machten es uns in dem geraeumigen Fahrzeug gemuetlich. Die beiden fuhren bis nach Sydney, es war also zum Glueck nicht so tragisch, dess uns unser LKW-Fahrer abgehaun war. Es war eine ruhige Fahrt, was uns nur recht war, denn wir waren von der langen Reise schon etwas mitgenommen.
In Liverpool wurden wir dann abgesetzt, das ist ein Stadtbezirk, etwa 30 min mit der Bahn vom Zentrum entfernt. Wir kauften uns also Tickets: 6$ fuer jeden. Damit betrugen die Gesamtkosten fuer unsere Reise von Melbourne nach Sydney knapp 10$, ich finde, da sind wir ganz gut weggekommen ;-)



PS: Das Rennen hat dann doch Tristan gewonnen. Anfangs sah es so aus, als wuerde er es sogar an einem Tag schaffen, dann wurde er aber irgendwo raus gelassen, wo ihn keiner mehr mitnahm (sah erst wieder gut aus fuer uns - wir bekamen massig Vorsprung). Am 2. Tag hatte er dann aber mehr Glueck als wir, die Raststaette hatte uns wieder zurueck geworfen und er zog an uns vorbei und kam mit einem knappen Vorsprung von einer oder zwei Stunden als erster in Sydney an.

Sonntag, 14. März 2010

Kapitel 4: Jobsuche in Melbourne

Als wir abends in Melbourne ankamen, war es schon zu spaet noch nach Hostels zu suchen. Da Philipp schon vorher in Melbourne gewesen war, wusste er genau, wo wir am besten uebernachten und essen konnten und fuhr uns zu einem alten Konvikt, das neben einem Park stand, in dem wir zelten konnten. Im Park fanden wir sogar einen Wasserspender, neben dem wir kurz entschlossen unser Zelt aufschlugen. Zu dieser uhrzeit war im Park auch keiner mehr, weshalb es wohl kein Problem war, dass wir dort campten. Erst am naechsten Morgen guckten die ersten Jogger etwas befremdet, als wir verschlafen aus dem Zelt krabbelten und uns am Wasserspender die Zaehne putzten. Wie schon vorher brachen wir schnell unser Zelt ab und brachten es zurueck ins Auto, wo Philipp und Tristan auch gerade aufwachten.
Im Konvikt gab es dann eine Art Cafe, wo es morgens ein Fruehstueck gab und ab dem Mittag ein Buffet und das beste an allem: es lief auf Spendenbasis, man zahlte also so viel man wollte. Es war also fuer uns eine Moeglichkeit, trotz sehr begrenztem Budget doch noch gut - nein, sehr gut! - essen zu koennen. Nach dem Fruehstueck fuehrte Philipp uns zu einem Hostel, wo er vorher gewohnt hatte, aber dort war schon alles voll. Also liefen wir los Richtung Innenstadt, um nach Hostels zu suchen, waehrend Philipp weiter nach Sorrento fuhr, wo er Freunde treffen wollte. Uns wurde gesagt, dass in Melbourne nie kontrolliert wurde, also fuhren wir die 6 km lieber mit der Bahn; wie es kommen musste, wurden wir auf unserer 2. Fahrt am Tag darauf auch gleich erwischt, aber es gelang uns, uns fuer Touristen auszugeben, die kaum Englisch sprechen und ueberhaupt keine Ahnung hatten. Obwohl wir jedes Wort der Schaffner erstaunlich gut verstanden, kamen wir damit durch und mussten nur das Ticket nachloesen.Die Hostelsuche stellte sich dann als schwieriger heraus, als gedacht. Den Grund erfuhren wir dann recht schnell: es waren gerade die Australien Opens am laufen, daher waren alle Hostels vollgestopft mit Tennisfans - klasse.Gegen Ende des Tages fanden wir dann aber doch noch ein Hostel: es lag noch halbwegs zentral, relativ edel, sauber und vor allem aber teuer! Wir waren aber auf Duschen angewiesen, wir wollten uns ja bewerben gehen, also mussten wir in den sauren Apfel beissen und 34$ pro Nacht bezahlen, eigentlich war 20$ unser gewaehltes Maximum. Nach 2 Tagen erweiterten Fabian und ich um eine weitere Nacht, waehrend wir Tristan, der nicht bezahlte, unter unserem Bett versteckten. Als uns das aber zu teuer wurde, ueberbrueckten wir den letzten Tag, bis die AO vorbei waren, indem wir zu 3. im 2-Mann-Zelt schliefen - das ist unbequem, aber moeglich.
Zum Glueck bekam ich dann von Eva und Marina, die auch gerade in Melbourne waren, den Tip, ins Arthouse einzubuchen, dort zahlten wir nur 20$ pro Nacht. Der 2. Vorteil war, dass unten eine Bar war, wo jeden Abend unterschiedliche Liveacts stattfanden, fuer die wir als Bewohner nichts Zahlen mussten.Anstatt uns aber zu vergnuegen, sah unser Taegliches Programm von Anfang an eigentlich so aus, dass wir mit unseren etlichen Lebenslaeufen durch die Stadt zogen und uns auf irgendwelche Jobs bewarben - egal ob Cafe, Baeckerei oder Fabrik, wir probierten es einfach ueberall.Irgendwann kam ich in eine Doenerbude und gerade, als der Chef mir erklaerte, dass er keine freien Stellen haette, sah ich, wie auf einem waagerechten Doenerspiess eine Taube sass und sich am Grill waermte - ich war kurz davor, mich als Kammerjaeger anzubieten. Naja, nach etwa einer Woche hatten wir so ziemlich alle Laeden im Umkreis von 10 km durch (auch den einen oder anderen vielversprechenden) und die Lust auf Melbourne war uns vergangen.Weil die Bueros unserer Organisationen dort waren und wir uns zunaechst in der Grossstadt die besten Chancen ausrechneten, beschlossen wir wieder nach Sydney zu reisen. Mangels Geld diesmal per Anhalter.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Kapitel 3: Der Roadtrip nach Melbourne

Nachdem wir 19 Tage und ein paar hundert Dollar in Mildura verschwendet hatten, ging es endlich fuer uns weiter in eine andere Stadt, wo wir es nochmal versuchen wollten. Unsere Hoffnungen waren gross, denn wir dachten uns, in Melbourne sollte es nicht allzu schwer fallen, einen Job zu finden, es ist immerhin die 2. groesste Stadt in Australien.
Unser Plan war, nach Sueden zu fahren und dann irgendwo um Warrnambool an die Kueste zu stossen, um dort dann ueber die populaere Great Ocean Road an der Kueste entlang Richtung Melbourne zu fahren.
Mit laut droehnender Partymusik ging es dann erstmal raus aus der Zivilisation und rein in die Natur. Das klingt jetzt allerdings spannender als es wirklich ist. Links und rechts sah man meistens nur endlose Felder oder Waelder und gerade aus immer nur die selbe staubige Strasse. Verkehr oder (lebende) Tiere gab es auch nicht. Das tat der Stimmung im Auto allerdings keinen Abbruch, denn es lief droehnende Partymusik, dank der fetten Boxen sehr ueberzeugend, und wenn Phillipp mal keine lust auf Autofahren hatte (wenn zB eine Zigarette gedreht werden musste), wurde halt der Tempomat eingeschaltet und Fabian lenkte vom Beifahrersitz.
So fuhren wir dann bis wir abends in einem kleinen Dorf ankamen, Hopetoun, wenn ich mich recht erinnere. Es war schon relativ dunkel und wir standen ploetzlich vor der schwierigen Aufgabe, Leute zu finden, denn wir wollten noch nach dem Weg zu einem See fragen, wo wir eigentlich campen wollten: Fabian und ich hatten uns dazu in Mildura ein 2-Mann-Zelt gekauft, 30 $ die sich noch auszahlen sollten, und Tristan und Philipp wollten im Auto schlafen. Irgendwann fanden wir tatsaechlich noch einen Laden, wo auch wirklich noch Leute waren, ein Glueckstreffer, wenn man sich ueberlegt, wie winzig der Ort war. Als wir dann durch eine Nebentuer reingingen, die Haupttuer war schon geschlossen, wurden wir zunaechst von einem ruppigen "What are you after!" begruesst - und die Dame machte auch erstmal keine Anstalten von dem Tisch im Laden aufzustehen und zur Theke zu gehen. Auch der Blick der beiden, bei ihr sass noch ein Mann, liess mich ploetzlich unwillkuerlich an einige Stephen King Buecher denken. Als wir dann nach dem Weg fragten (den sie uns nicht wirklich beschreiben konnte) und irgendwer noch eine Kleinigkeit kaufte, wurden wir ununterbrochen stumm von den Leuten im Laden angestarrt - ein tolles Gefuehl ;-).
Spaeter im Auto tauschten wir dann Storys von verrueckten, Macheten schwingenden Farmern aus, die bevorzugt in kleineren, dunklen Doerfern wohnen und Backpacker ueberfallen, die in Zelten schlafen.





Nachdem wir dann eine Weile durch die Gegend gefahren waren, fanden wir tatsaechlich einen See, aber einen anderen, als geplant. Egal, dieser See hatte einen Campingplatz in der Naehe, dessen Eingang wir sogar schon nach dem 3. Vorbeifahren fanden.
Nachdem wir in der Dunkelheit unser Zelt aufgeschlagen hatten, gingen wir erstmal duschen - was fuer eine Wohltat. Danach suchten wir uns einen Grill (quasi eine Metallplatte, die von unten mit Gas befeuert wird - solche BBQs stehen ueberall in Australien rum) und machten uns mit Tristans neuem Topf und meiner neuen Pfanne eine leckere Pasta. Nach dem Essen machten wir uns daran, die Benzinkosten zu senken, indem wir Ballast abwarfen; mit anderen Worten: der Goon (Billigwein) wurde angezapft.
Nach einem langen Abend legten wir uns dann schlafen, und versuchten nicht an die Menschen im Dorf zu denken, die sicher schon mit Fackeln und Mistgabeln auf der Suche nach uns waren.




Am naechsten Morgen, nach einer 2. ausgiebigen Dusche, packten wir dann schnell unseren Kram zusammen, und bevor auf dem kleinen Campingplatz was los war, waren wir auch schon wieder verschwunden - was soll man machen, wenn das Budget so klein ist, dass man es mit blossem Auge kaum erkennen kann...






Das naechste Ziel lag dann schon gleich um die Ecke: der Wyperfeld National Park (den Schaedel auf dem Foto oben links wollte Philipp uebrigens mitnehmen und vorne aufs Auto kleben, aber der war zu gut festgemacht :-) ), wo wir uns ein bisschen Wuestenstimmung erhofften. Was wir dann aber bekamen, als wir dort den "desert walk" machten, war 1 1/2 std Marschieren durch die Langeweile. Die ersten 10 min waren noch ok, aber dann wussten wir, wie staubige und karge Eukalyptusbaeume aussehen. Tiere gabs auch keine zu sehen, die hatten wahrscheinlich auch keinen Bock auf diese Einoede.
Als wir dann also endlich wieder zum Auto zurueckkamen, verriet uns ein Blick auf die Landkarte, dass wir unseren Plan mit gut 2 Tagen vergessen konnten. Insgesamt wuerden wohl eher 4 daraus, wir wollten ja nicht hetzen.
Der naechste Zwischenstop war dann der "Pink Lake", an dem wir auch erstmal versehentlich vorbei fuhren. Nach gut 5 km mussten wir also mitten auf der Strasse wenden und nochmal zurueck fahren, gut dass da kaum einer unterwegs war.
Der Pink Lake stellte sich dann als ein ausgetrockneter Salzsee heraus, der eine Rosa/Lila Faerbung hatte - Philipp mit seinem gelben T-Shirt und seiner Pinken Sonnenbrille passte da perfekt rein ;-).
Nachdem wir ein bisschen mit unseren Kameras herumgespielt hatten, wobei auch das wunderschoene Foto von Fabian und mir entstand, stiegen wir ins Auto zurueck und setzten unseren Weg ueber die nahezu menschenleere und schier endlose Strasse fort.

Als wir dann irgendwann an einem Kaenguruhschild vorbei kamen, mussten wir beweisen, dass wir gute Touristen waren, und machten ein paar Pflichtfotos:


















Danach fuhren wir eine Weile durch den Little Desert National Park, der aber nicht weiter spannend war - abgesehen von der ersten Schlange die ich in Australien sah, aber die war leider tot. In Gymbowen wollten wir dann abbiegen und ihr koennt euch nicht vorstellen, dass das in einem Dorf von geschaetzt 20 Einwohnern ein Problem werden koennte, aber so war es. Weil ploetzlich ein paar Strassen zu viel da waren und es keine hilfreichen Schilder gab, wollten wir Einwohner nach dem Weg fragen. Dass wir keinen Menschen fanden wundert mich nicht, schaut euch die Stadthalle an und ihr wisst, wovon ich rede!
Aber nach ein bisschen Hin-und-her-fahren fanden wir den Weg dann aber auch so, so konnten wir unser naechstes Etappenziel anpeilen: den Grampians National Park.





Der Grampians National Park ist eine ziemlich bergige Angelegenheit, allerdings beginnt die Landschaft nicht mit ein paar Huegeln, die dann hoeher werden - irgendwann stehen ploetzlich einfach gigantische Felsen in der Landschaft rum, die dann haeufiger werden, bis sie eine Art Gebirge bilden. Den ersten Fels mussten wir auch gleich besteigen und wurden mit einer unglaublichen Aussicht belohnt!
Als wir dann weiter fuhren, wurde die Landschaft immer gruener und wir konnten langsam erkennen, dass wir so langsam dem Regenwald etwas naeher kamen. Unsere naechste Unterkunft fanden wir dann in Halls Gap, einem Dorf mit 281 Einwohnern, aber 6000 Schlafplaetzen, sehr touristisch also. Dort gab es einen Campingplatz, wo wir schlafen wollten, allerdings war die einzige Auffahrt durch eine Schranke abgesperrt. Neben dem Platz gab es aber einen kostenlosen Parkplatz, wo auch schon ein paar andere Backpacker ihre Autos zum Uebernachten geparkt hatten, also stellten wir uns gleich dazu. Mit dem Zelt gingen Fabian und ich dann spaeter auf den Campingplatz und suchten uns einen Platz, der fuer diese Nacht frei geblieben war.
Bevor wir schlafen gingen, suchten wir uns noch von verschiedenen Feuerstellen uebrig gebliebenes Holz zusammen und machten uns etwas zu Essen. Dabei trafen wir ein paar Hippies (einer stellte sich als "Moondog Spock - Auuuuuuu" vor) die uns auch noch den Tuercode von den Duschen verrieten.
Am naechsten Morgen (nachdem ein paar Wallabies an unser Zelt geklopft hatten) ging es nach einer kurzen Dusche in aller Fruehe weiter, unser Zeitplan war relativ knapp bemessen.
Es ging also weiter zum Grampians National Park, durch den wir wandern wollten. Dort war es schon ziemlich gruen, vor allem aber sehr felsig und steil. Als wir irgendwann langsam schlapp machten, waren wir dankbar ueber unseren Oberfeldwebel Tristan, der es schaffte, uns jedes Mal, wenn uns die Puste ausging, nachdruecklich zum Weitergehen zu ermuntern. Das war der Grund, warum wir nur einen halben Tag brauchten, bis wir alles Sehenswerte gesehen hatte, was es so in den Grampians gab.

Hier mal ein paar Bilder:
































Am Abend kamen wir dann in Warrnambool an, in der Naehe, wo ungefaehr die Great Ocean Road anfaengt. Ein paar Km weiter fanden wir dann einen Campingplatz, auf dem wir uebernachteten. Fabian und ich schliefen dort im Fernsehraum, weil es da Sofas gab, das war bequemer, als im Zelt mangels Isomatte direkt auf dem Boden. Das einzige Problem ergab sich, als am naechsten Morgen (wir waren gerade erst aufgewacht und hatten nichtmal unsere Schlafsaecke richtig verstecken koennen) eine Frau in den Raum kam und fernsehen wollte. Als der Fernseher nicht anging, fragte sie uns, ob der ueberhaupt funktionierte, woraufhin wir traurig guckten und den Kopf schuettelten, als ob wir es selber gerade erst versucht haetten. Als sie wieder ging, packten wir schnell unsere Sachen und verstauten sie im Auto. Kurz danach fuhren wir weiter: Die Graet Ocean Road stand auf dem Plan!



Die Great Ocean Road stellten wir uns erst so vor, dass wir an etlichen Straenden vorbei fuhren, wo natuerlich ueberall fette Parties im Gange waren, sodass wir nur von Party zu Party fuhren und uns zwischendurch in die Sonne legten, oder ins Wasser gingen (Philipp trug keinen unwesentlichen Beitrag zu dieser Vorstellung bei). Ueberraschenderweise war der erste Strand an dem wir ankamen menschenleer. Diese Ungestoertheit nutzten wir aber gleich geschickt, um uns bei wunderschoener Aussicht Fruehstueck zu machen - es bestand im Wesentlichen aus gebackenen Bohnen oder Spaghetti aus der Dose: ein perfekter Start in den Tag!
Als wir dann weiterfuhren, stellten wir unfreiwillig fest, dass es weniger Straende als erwartet gab (zu grossen Teilen schlaengelte sich die Strasse auch durch Waelder, anstatt nur an der Kueste zu liegen) und Parties fanden auch leider keine statt.
Frueher als erwartet kamen wir dann an den 12 Aposteln vorbei (von denen nur noch 8 stehen - und das wohl auch nicht mehr besonders lange), wo wir auch gleich einen laengeren Stop einlegten, um uns ein wenig wie Touristen zu benehmen.
Den Rummel um die Apostel kann ich allerdings verstehen, denn beeindruckend sind die Felsen schon und vor allem sehen sie genau so aus, wie auf den Fotos. Ich hatte schon fast das Gefuehl, dort schon gewesen zu sein ;-).
Nach den 12 (8) Apostels war unser naechstes Ziel ein Wald mit Riesenbaeumen, durch deren Kronen man in schwindelerregender Hoehe ueber Stege von Baum zu Baum spazieren konnte. In erster Linie waren fuer uns aber die Preise dafuer schwindelerregend, also mussten wir leider ohne Riesenbaeume weiterfahren.
Die Strasse machte etwas spaeter dann einen Schlenker von der Kueste weg und wir wurden in einen Regenwald gefuehrt, der seinem Namen alle Ehre machte, indem er uns den ersten Regen seit etwa einem Monat bescherte (naja, einmal hatte es auch in Mildura geregnet und das heftig, aber da die ganzen uebrigen Tage waren so extrem trocken waren, kann man sagen, dass statistisch gesehen ein einwandfreier Sommer vorlag). Als wir aber mal eine Nebenstrasse entlangfuhren (ich durfte uebrigens fahren - der Linksverkehr ist nur halb so wild) wurden wir dafuer von dem Anblick von ca 7 Koalas belohnt, die ueber der Strasse hingen und schliefen, nichts taten, oder sich von ersterem erholten (den einen taufte ich Gilly).
Als wir weiter durch den Regenwald fuhren, hielten wir noch an ein paar Wasserfaellen, die nur ueber einen langen Wanderweg zu erreichen waren - aber da hatten wir uns ja mittlerweile dran gewoehnt.
Um doch noch etwas Strandfeeling zu haben, legten wir uns an den Strand von Lorne (wenn ich mich richtig erinnere, aber tut ja eh kaum was zur Sache, wichtig ist: Strand), der zwar direkt an der Stadt lag und besonders warm war es auch nicht, aber wir nahmen unsere Pflicht, waehrend der Great Ocean Road am Strand zu liegen, sehr ernst.
Am spaeten Nachmittag, wir hatten etwa 2 std dort gelegen/geschlafen, nahmen wir unsere letzte Etappe in Angriff: Melbourne.
Wir fuhren also noch ein paar Stunden, bis wir abends nach Einbruch der Dunkelheit unser Ziel erreichten.
Nach 19 Tagen Wueste und 4 Tagen Wildnis hatte uns die Grossstadt wieder.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Kapitel 2: Die Flucht aus Mildura

Als das mit dem Geld nicht so klappte, wie wir uns das vorgestellt hatten, fingen Fabian und ich an, uns Gedanken ueber unsere Weiterreise zu machen. Eigentlich wollten wir in eine andere Wuestenstadt fahren, wo das Fruitpicken besser bezahlt ist; das Problem an Mildura war einfach, dass es im Lonely Planet steht, daher sind dort mehr Backpacker, als gut bezahlte Arbeitsstellen. Das erste Ziel ueber das wir nachdachten war Condobolin, weil ich da dank Fridtjof immerhin schon ein paar Kontakte hatte (danke nochmal, dass du dir die Muehe gemacht hast ;) ), aber wir mussten schnell erkennen, dass wir dazu wohl ein Auto braeuchten. Nicht nur um dort hin zu kommen, bei den Preisen von Bus und Bahn wurde uns erst einmal schlecht, sondern auch, um die abgelegenen Farmen zu erreichen.
Da wir das aber nicht so schnell aufgeben wollten, liefen wir also kurzentschlossen zu einem Autohaendler, um uns einen Ueberblick zu verschaffen (Fabians Traum, mit einem Quad durch Australien zu fahren, platzte leider bei dem Besuch eines solchen Haendlers ;-) ).
Der erste Haendler sagte uns, dass in unserer Preisklasse (unter 2.000$) kaum was zu finden sei, aber es gab da eine Frau, die sich bei ihm ein Auto gekauft hatte und ihres schnell los werden wollte, es sollte blos 1.200$ kosten. Nach langem Hin und Her war uns das aber doch zu riskant, weil wir nicht unser komplettes letztes Geld in ein Auto stecken wollten, von dem wir nichtmal wussten, ob das fuer lange Routen ueberhaupt noch taugte.
Durch unsere Ueberlegungen, wurde Philipp die Partymaus auf das Auto aufmerksam, da er noch eins fuer seinen geplanten Roadtrip brauchte. Also fing er an, intensiv Autos zu vergleichen, wobei Attachments wie Spoiler oder iPod Adapter eine sehr wichtige Rolle spielten. Letztlich kaufte er aber tatsaechlich das Auto dieser Frau, da dort gerade die Registrierung erneuert, und das Auto eben ueber den TÜV gekommen war (und noch viel wichtiger: die Boxen hatten einen fetten Bass).

Weil Phil vorhatte, nach Melbourne zu fahren und dabei die Great Ocean Road und ein paar National Parks mitzunehmen, beschlossen Fabian und ich mit ihm und Tristan Mildura Richtung Melbourne zu verlassen.
Bis das Auto dann wirklich da war vergingen noch 2-3 Tage, in denen wir uns auf den bevorstehenden Roadtrip vorbereiten konnten, Phil besorgte uns sogar ein Maskottchen: einen Kunstoffhund mit qualmender Kippe im Maul.

Am Montag Morgen gingen Phil und Tristan dann los, um das Auto abzuholen und die letzten Dinge zu regeln, wahrend Fabian und ich uns bei der Touristeninformation Karten der Umgebung geben liessen. Irgendwann gegen Nachmittag wurden wir dann doch nervoes, weil sich Phil gar nicht meldete, aber irgendwann hoerten wir dann wildes Gehupe aus dem Hinterhof und da war klar: unser Trip konnte endlich beginnen!

Wir luden also schnell unsere 4 grossen Rucksaecke in den Kofferaum (da passte doch mehr rein, als es erst ausgesehen hatte) und verabschiedeten uns noch von den anderen. Dann ging es mit Vollgas Richtung Sueden (eigentlich erstmal in den naechsten Coles und danach nochmal zurueck, weil wir was vergessen hatten, aber das klingt nicht so gut).







Bevor ich aber Mildura ganz verlasse, hier nochmal eine kurze Zusamenfassung:















Aussentemperatur Nachts: angenehme 39Grad














Ein Mysterioeser Fleck an meinem Arm blieb immer sauber.












Willem, Fabian, Andrej und Tristan











Zwischenzeitlich suchte uns mal ein Sandsturm heim.











Milduras immerblauer Himmel - hier mal mit extem starker Bewoelkung ;-)























So, ich hoffe, die Bilder werden bei allen richtig angezeigt, der Bearbeitungsmodus hat mich halb in den Wahnsinn getrieben ;-)

Fortsetzung folgt